Raumfahrtanwendungen zum Nutzen der Umwelt und für die Sicherheit der Bürger


Satellitenbild von Europa
© Europäische Weltraumorganisation

07.12.2011

Die EU und die Europäische Weltraumorganisation errichten derzeit ein System für die globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES), das wichtige Geoinformationen liefert; diese Informationen tragen im Rahmen der Katastrophen- und Krisenbewältigung dazu bei, Menschenleben zu retten und Sach- und Umweltschäden zu begrenzen. Der Rat hat am 6. Dezember eine Entschließung angenommen, in der es um den Nutzen von Raumfahrtanwendungen für die Sicherheit der Bürger geht.

Das GMES-System wird nach seiner Inbetriebnahme eines der weltweit vollständigsten Systeme für die Erdüberwachung sein: Es wird alle nationalen Boden‑, Luft- und Weltrauminfrastrukturen in Europa miteinander verbinden und deren Daten in einem umfassenden, integrierten Gesamtsystem bündeln. Dort werden zusätzliche Daten eingebunden, die derzeit von nationalen Sensoren nicht bereitgestellt werden können.

Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft

Nach einem Bericht des Instituts für Europäische Weltraumpolitik (ESPI, Wien), der unter der Schirmherrschaft des polnischen Vorsitzes des Rates der EU ausgearbeitet wurde, lässt sich der sozioökonomische Nutzen von GMES auf 67 Milliarden Euro beziffern.

Raumfahrtanwendungen können die Sicherheit der Bürger in vielfältiger Weise verbessern: Wetter­vorhersagen, Beobachtung von Bevölkerungsströmen, wirksame Kommunikation in Notfällen, punktgenaue Satellitennavigation, Geländekartierung, Meeresüberwachung, Umweltschutz, Such- und Rettungsdienste usw.

GMES-Daten können einen Beitrag zur Durchführung der gemeinsamen Agrarpolitik und der nach­haltigen Fischereipolitik leisten und dadurch langfristig unsere Ernährungssicherheit gewährleisten.

Auch für Krisenbewältigungseinsätze, Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe ist GMES ein zentrales Programm.

Die Minister hoben hervor, dass GMES nicht nur der europäische Beitrag zur globalen Erdbeo­bachtung (GEOS) ist, sondern auch ein wichtiges Instrument, damit Europa einen unabhängigen Zugang zu strategischen Informationen über politisch wie wirtschaftlich so kritische Themen wie Klimawandel und Verringerung von CO2-Emissionen hat.

Der Rat betonte daher, dass GMES in vollem Umfang aufgebaut und sein fortlaufender Betrieb während der nächsten 25-30 Jahre sichergestellt werden muss.

Katastrophenbewältigung und ‑prävention

Die Zahl der Katastrophen in Europa steigt. Unter den zehn Ländern, die weltweit am stärksten von Katastrophen – seien es Naturkatastrophen oder vom Menschen verursachte Katastrophen wie Industrieunfälle – betroffen sind, befinden sich derzeit fünf EU-Länder: Frankreich, Deutschland, Italien, das Vereinigte Königreich und Griechenland.

Im letzten Jahrzehnt hat es bei Katastrophen in Europa fast 100 000 Tote gegeben, und mehr als 11 Millionen Menschen hatten unter den Folgen zu leiden. Der Sachschaden beläuft sich auf mehr als 200 Milliarden Euro.

GMES kann dabei helfen, den Verlust von Menschenleben und Sachschäden zu verhindern, beispielsweise durch die Erstellung genauer Karten im Katastrophenfall, die Vorhersage von Stürmen, Bränden und Überflutungen und die Bereitstellung optimaler Lagedaten bei Rettungseinsätzen.

 

Weitere Informationen:
Entschließung des Rates zum Thema "Nutzen des Weltraums für die Sicherheit der europäischen Bürger" (pdf)
Bericht des Instituts für Europäische Weltraumpolitik 
System für die Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES)