Schutz gegen Chemikalien
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Foto: Das follikelstimulierende Hormon Follitropin,
Wikimedia Commons
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Es besteht eine wachsende Besorgnis darüber, dass Kombinationseffekte aufgrund der Exposition gegenüber Chemikalien aus unterschiedlichen Quellen, beispielsweise beim Einsatz in Landwirtschaft und Industrie, schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben können, auch wenn für jeden einzelnen Stoff dessen spezifische Risikoschwelle nicht überschritten wird. Der Umweltrat hat am 22. Dezember 2009 Schlussfolgerungen zu diesen Kombinationseffekten angenommen.
Von Sachverständigen wird der vorherrschende Ansatz, Chemikalien bei Risikobewertungen einzeln zu bewerten, als unzureichend für den Schutz gegen das Risiko von Kombinationseffekten betrachtet. Daher wird in den Schlussfolgerungen für mehr Forschung in diesem Bereich plädiert. Zudem wird die Kommission ersucht, sich mit der Frage zu befassen, wie und ob die geltenden Rechtsvorschriften diesem Problem gerecht werden, und geeignete Änderungen und Leitlinien anzuregen sowie bei künftigen Rechtsvorschriften dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen.
Im Mittelpunkt der Besorgnis stehen vor allem Umwelthormone. Dies sind Stoffe, die wie Hormone wirken und die normale Funktionsweise des Hormonsystems stören. Das Hormonsystem ist ein Netz von Drüsen und Hormonen, die viele Körperfunktionen regulieren, wie Wachstum, Entwicklung und Geschlechtsreife. Es wird befürchtet, dass Umwelthormone in die Produktion und die Leistungsfähigkeit der körpereigenen Hormone eingreifen. Derartige Effekte wurden bereits bei Tieren beobachtet, mit Beeinträchtigungen von Fortpflanzung, Entwicklung und Immunabwehr.
Eine Reihe von Studien zeigt, dass eine Verbindung zwischen mehrfach auftretenden Umwelthormonen und schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hergestellt werden kann. Die Exposition kann unter anderem durch Nahrungsmittel, Plastikgegenstände, Farben und Kosmetika erfolgen. Es wird davon angenommen, dass diese Chemikalien verantwortlich sind für einen Rückgang von Spermienzahl und -qualität, für Missbildungen der Geschlechtsorgane, für eine verzögerte sexuelle Entwicklung und für ein vermehrtes Vorkommen bestimmter Arten von Krebs.
Weitere Informationen:
Schlussfolgerungen des Rates (pdf)
Webcast der Pressekonferenz des Rates
Website der Kommission zu Umwelthormonen (englisch)