EU nimmt Beitrittsantrag Islands entgegen


Thingvellir, Versammlungsort des Althings, das von
930 bis 1799 in Island als Gericht und Parlament fungierte.
Seit 1844 tagt das Althing in Reykjavik.
@ Andreas Tille, Wikimedia

Die EU-Außenminister haben auf der Tagung des Rates am 27. Juli 2009 den Antrag Islands auf Beitritt zur Europäischen Union entgegengenommen und die Kommission aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Die isländische Regierung hatte ihren Antrag mit Schreiben vom 16. Juli 2009 an den derzeitigen schwedischen Vorsitz des Rates der EU übermittelt.

Um als Bewerberland anerkannt zu werden, muss ein Land eine Reihe von politischen und wirt­schaftlichen Bedingungen, die sog. Kopenhagener Kriterien, erfüllen. Hierzu zählen politische Stabilität als Garantie für Demokratie und für die Wahrung der Menschenrechte, eine funktionie­rende Marktwirtschaft und die Übernahme sämtlicher EU-Rechtsvorschriften. Der Rat hat bekräftigt, dass jedes Bewerberland grundsätzlich für sich beurteilt wird.

Die Tatsache, dass Island seit 1997 dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und seit 2001 dem Schengen-Raum angehört, dürfte die Beitrittsverhandlungen erleichtern. Als EWR-Mitglied hat Island bereits etwa 75 % der Binnenmarktvorschriften übernommen.

Island liegt im Nordatlantik und zählt rund 320 000 Einwohner. Die geografische Lage, die natürlichen Gegebenheiten und das Klima haben für harte Lebensbedingungen und eine starke Abhängigkeit des Landes von der Fischerei und der Schafzucht gesorgt. Erst Ende des 20. Jahrhunderts begann die isländische Wirtschaft, neue Finanz- und Dienstleistungssektoren zu erobern, wodurch das Land – gemessen am Pro-Kopf-Einkommen – zu einer der wohlhabendsten Nationen der Welt aufstieg, bis es im Herbst 2008 von der Finanzkrise getroffen wurde.

Weitere Informationen:

Schlussfolgerungen des Rates zur Erweiterung (pdf)

Pressemitteilung des Rates(pdf)

Webcast der Pressekonferenz des Rates

30.07.2009