Mehr Frauen in Führungspositionen – aber wie?


Manu Sareen, dänischer Minister für Chancengleichheit
© Europäische Union, 2012

 

17.02.2012

60 % der Universitätsabgänger in der EU sind weiblich, doch der Frauenanteil im Vorstand unserer größten börsennotierten Unternehmen beträgt nur 12 %. Wie kann dieses Potenzial ungenutzter Talente am besten erschlossen werden? Mit dieser Frage hat sich der Rat (Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz) auf seiner Tagung vom 17. Februar befasst.

Konkret berieten die Minister darüber, was auf einzelstaatlicher sowie auf EU-Ebene getan werden könnte, um qualifizierten Frauen den Weg in die Vorstandsetagen zu ebnen. Zahlreiche Minister hoben die wirtschaftlichen Vorteile einer Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben und an Entscheidungsprozessen hervor, ebenso die Tatsache, dass Europa es sich nicht leisten kann, das Potenzial seiner hochqualifizierten Frauen zu vergeuden. Dazu erklärte der dänische Minister für Chancengleichheit, Manu Sareen, der den Vorsitz führte, dass Chancengleichheit Mehrwert schafft und es nach seinem Dafürhalten sehr wichtig ist, diese Botschaft zu verbreiten.

Nach Prognosen der Europäischen Kommission wird der Anteil von Frauen in den Vorständen der größten Unternehmen in den nächsten Jahrzehnten um nicht mehr als einen halben Prozentpunkt jährlich zunehmen. Mit anderen Worten wird es – wenn nicht mehr unternommen wird – noch einmal 50 Jahre dauern, bevor zumindest ein angemessenes Gleichgewicht erreicht ist (mindestens jeweils 40 % beider Geschlechter in der Unternehmensleitung).

Die Kommission hat daher einen Aufruf an die Unternehmen gerichtet, sich freiwillig zu verpflichten, die Anzahl der Frauen in ihren Vorständen bis 2015 auf 30 % und bis 2020 auf 40 % zu erhöhen, indem sie ganz bewusst Frauen einstellen, wenn es darum geht, ausscheidende männliche Vorstandsmitglieder zu ersetzen. Bislang haben allerdings nur sehr wenige Unternehmen eine entsprechende Zusage gemacht.

Die Ergebnisse der Beratungen des Rates werden in die Situationsbewertung einfließen, die die Kommission im März 2012 vorlegen wird. Sollte eine Selbstregulierung nicht zu ausreichenden Fortschritten führen, wird die Kommission verschiedene politische Optionen für gezielte Maßnahmen auf EU-Ebene prüfen. Die Beratungen haben zwar einerseits deutlich gemacht, dass ein breiter Konsens darüber besteht, die gleichgewichtige Vertretung von Männern und Frauen in den Unternehmensvorständen zu verbessern, andererseits aber auch, dass die Mitgliedstaaten unterschiedliche politische Vorstellungen davon haben, wie dieses Ziel zu erreichen ist: Einige sind für eine verbindliche Quotenregelung, viele andere hingegen geben – zumindest vorerst – einem freiwilligen Ansatz den Vorzug.

 

Weitere Informationen:
Webcast der Aussprache im Rat
Webcast der Pressekonferenz
Pressemitteilung (über die gesamte Ratstagung, pdf)
Ausgewogene Mitwirkung von Frauen und Männern in Positionen mit Entscheidungskompetenzen (Website der Kommission)
Datenbank zu Frauen und Männern in Positionen mit Entscheidungskompetenzen (von der Kommission erstellt)
Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Unternehmensführung (Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen, pdf)