Finanzmärkte: Wie lassen sich prozyklische Effekte vermeiden?


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Auf ihrer ersten Tagung unter schwedischem Vorsitz am 7.Juli haben sich die Wirtschafts- und Finanzminister der EU mit den Vorschriften über die Eigenkapitalausstattung von Banken und den Rechnungslegungsstandards befasst.Auf Grundlage eines Berichts des Wirtschafts- und Finanzausschusses (WFA) gingen sie insbesondere der Frage nach, wie prozyklische Effekte im Finanzsektor vermieden werden können.

Die Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute und Investmentgesellschaften sollen sicherstellen, dass diese Unternehmen Krisenzeiten überstehen können.Sie dienen dem Schutz der Sparer und der Stabilität des Finanzsystems.In der Regel folgen sie der konjunkturellen Entwicklung:Bei einem Wirtschaftsaufschwung sinken sie, um in Zeiten der Rezession wieder zu steigen.Dieses – auch als Prozyklität bezeichnete – Phänomen hat sich laut WFA-Bericht in den letzten Jahren noch verstärkt.

Der Bericht nennt im Wesentlichen vier Maßnahmen, mit denen sich die prozyklischen Effekte der Finanzmarktvorschriften verringern lassen:

  • Überwachung der Systemrisiken,
  • Aufbau von antizyklischen Puffern durch Eigenkapital und Rückstellungen,
  • Verbesserung der Rechnungslegungsvorschriften und
  • Festlegung eines vernünftigen Rahmens für die Vergütungsregelungen.

Aus Sicht des Rates haben die Vergütungsregelungen der Finanzunternehmen mit ihren unange­messenen Boni, ihrer kurzfristigen Ausrichtung und ihrer mangelhaften Risikoerfassung die prozyklischen Effekte noch verstärkt.

Im Zuge des weltweiten Abschwungs hat sich gezeigt, dass die Ursachen der Prozyklität bekämpft werden müssen.Auf den letzten G20-Gipfeln sind die internationalen Gremien ermahnt worden, das Problem der Prozyklizität mit regulierungspolitischen Maßnahmen anzugehen und zu prüfen, wie Bewertungen und Verschuldungsgrad, Eigenkapital der Banken, Vergütungsregelungen und Rückstellungspraktiken zyklische Tendenzen verstärken können.Dieser Forderung hat sich auch der Europäische Rat auf seiner Junitagung angeschlossen.

Näheres hierzu unter

Schlussfolgerungen des Rates(pdf)

Webcast der Pressekonferenz des Rates



24.07.2009